Köln, 16. April 2026 – Auf der vierten PRO MUSIK Konferenz, die im Rahmen der c/o pop convention in Köln stattfand, diskutierten Musikschaffende, Branchenvertreter*innen und internationale Expert*innen zentrale Zukunftsfragen der Musikwirtschaft. Die wichtigste Erkenntnis: Trotz wachsender Umsätze in der Branche bleibt die wirtschaftliche Situation vieler professioneller Musikschaffender prekär – mit direkten Folgen für künstlerische Freiheit und kulturelle Vielfalt.
Die Konferenz machte deutlich: Prekäre Arbeitsbedingungen sind keine naturgegebene Realität, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Gleichzeitig wurde klar: Sicherheit schafft Kreativität. Um diese zu gewährleisten, braucht es strukturelle Veränderungen auf mehreren Ebenen.
PRO MUSIK nimmt aus der Konferenz konkrete Forderungen mit:
- die bestehenden Instrumente der sozialen Absicherung müssen auf die Bedarfe der Musikschaffenden angepasst und neue Instrumente, wie , bspw. ein Basiseinkommen für Künstler*innen diskutiert werden.
- bessere Marktstrukturen, insbesondere bei Streamingvergütungen, Gagenverhandlungen im Livebereich
- und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Wie solche Ansätze wirken können, zeigte unter anderem die ehemalige irische Kulturministerin Catherine Martin. Das von ihr mit initiierte Pilotprojekt eines Grundeinkommens für Künstler*innen lieferte positive Ergebnisse: Nach der Pilotphase übertraf das Programm seine Nettokosten von 72 Millionen Euro durch höhere Produktivität und geringere Sozialausgaben. Jeder investierte Euro bringt dort 1,39 € gesellschaftlichen Mehrwert zurück. PRO MUSIK spricht sich daher für einen vergleichbaren Pilotversuch in Deutschland aus.
Verteilung der Streamingeinnahmen bleiben zentrales Problem
Auch beim Thema Streaming wurde erneut deutlicher Handlungsbedarf sichtbar. Noch immer verdienen viele professionelle Musikschaffende zu wenig, obwohl laut PRO MUSIK Vorstandsvorsitzendem Christopher Annen ausreichend Geld im System vorhanden ist: „Das Problem ist nicht der Mangel an Einnahmen, sondern deren Verteilung – insbesondere zugunsten weniger großer Marktakteure.”
Entsprechend hoch sind die Erwartungen an die laufenden Gespräche zwischen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und der Musikbranche. Bereits im Mai sollen konkrete Ergebnisse vorliegen.
„Allein können wir weder faire Streamingvergütungen noch bessere Gagen durchsetzen oder Existenzängste beenden. Gemeinsam aber können wir Veränderungen erreichen – das hat die Konferenz gezeigt. Wenn sich Musikschaffende zusammenschließen, Missstände benennen und Lösungen erarbeiten, bewegt sich etwas.”
PRO MUSIK in der Verantwortung
Weitere Schwerpunkte der Konferenz waren faire Verhandlungen im Musikbusiness, mentale Gesundheit sowie die Herausforderungen von Elternschaft in der freien Musikszene. Gerade Letzteres wurde als strukturelles Problem hervorgehoben, das bessere Rahmenbedingungen erfordert – auch als klarer Auftrag an den Verband selbst.
„Wenn so viele Akteurinnen und Akteure zusammenkommen, entstehen konkrete Lösungen für zentrale Herausforderungen der Branche. Diese Impulse nehmen wir als Verband mit und bringen sie gezielt in Politik, Wirtschaft und den Alltag der Musikschaffenden ein – das ist unser Auftrag“, erklärt Nina Graf, Vorsitzende des PRO MUSIK Verbands.
Neben Panels, Talks und Networkingformaten wurden erstmals auch individuelle Beratungsangebote integriert. Dazu zählten der „Artist Elevator“ – ein deutschlandweites Kompetenzzentrum für selbstständige Musikschaffende mit Beratung, Workshops, Tools und Netzwerk – sowie psychologische Einzelberatungen für Mitglieder. Beide Angebote waren bereits im Vorfeld vollständig ausgebucht.
Über die PRO MUSIK Konferenz
Als partizipatives Format bringt die PRO MUSIK Konferenz jährlich Mitglieder, Interessierte und Expert*innen zusammen, um zentrale Themen der Branche gemeinsam zu diskutieren und Lösungen zu entwickeln. Sie dient als Plattform für Austausch, Mitbestimmung und Vernetzung innerhalb der freien Musikszene. Die PRO MUSIK Konferenz wird unterstützt durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie die Initiative Musik.