Im Interesse freier Musikschaffender
Köln, 10. März 2026 – Der von Spotify veröffentlichte politische Fahrplan erhebt den Anspruch, einen konstruktiven Beitrag zur Zukunft des Musikstreamings zu leisten. Aus Sicht freier und unabhängiger Musikschaffender bleibt das Dokument jedoch hinter diesem Anspruch zurück. Statt zentrale strukturelle Fragen zu adressieren, verschiebt Spotify Verantwortung auf andere Akteure.
Die wichtigsten Punkte (Kurzfassung):
1. Unklare Ausschüttungszahlen
Spotify behauptet, zwei Drittel seiner Einnahmen an Rechteinhaber*innen auszuschütten. Nach den eigenen veröffentlichten Zahlen entspricht die tatsächliche Ausschüttung jedoch nur rund 53 Prozent. Diese Diskrepanz muss transparent erklärt werden.
2. Verantwortung der Plattform
Spotify verweist im Fahrplan auf Probleme bei Metadaten, Verwertungsgesellschaften und Regulierung. Dabei bestimmt die Plattform selbst zentrale Faktoren des Systems – etwa das Verteilungsmodell (pro rata), algorithmische Sichtbarkeit und Monetarisierungsschwellen. Wer diese Hebel kontrolliert, trägt Verantwortung für die Ergebnisse der Verteilung.
3. Fehlende Transparenz und Credits
Spotify fordert bessere Metadaten, nennt jedoch selbst weiterhin nicht alle Mitwirkenden in den Credits. Gleichzeitig lenkt die Plattform die Transparenzdebatte auf Verwertungsgesellschaften, obwohl viele der geforderten Informationen dort bereits öffentlich zugänglich sind.
4. Umgang mit KI-Musik
Spotify fordert Maßnahmen gegen KI-Missbrauch, kennzeichnet KI-generierte Musik jedoch bislang nicht. Eine solche Kennzeichnung wäre ein wichtiger Schritt, um faire Wettbewerbsbedingungen für menschliche Musikschaffende zu sichern.
5. Algorithmische Steuerung statt „Wahlfreiheit“
Spotify lehnt kulturpolitische Maßnahmen mit dem Argument ab, sie gefährdeten die „Wahlfreiheit“ der Nutzer*innen. Tatsächlich wird Aufmerksamkeit im Streaming jedoch bereits heute stark durch Algorithmen und kuratierte Playlists gesteuert.
6. Wachstum löst keine Verteilungsprobleme
Spotify argumentiert, der Markt müsse vor allem weiter wachsen. Doch selbst ein größerer Markt löst nicht automatisch das zentrale Problem: die strukturelle Verteilung der Einnahmen im Streaming, auf deren Systematik Spotify als DSP in Marktführerschaft erheblichen Einfluss nimmt.
Fazit
Der politische Fahrplan beantwortet nicht die entscheidende Frage:
Wie kann faire Vergütung für Musikschaffende im Streaming sichergestellt werden?
Aus Sicht freier Musikschaffender braucht es daher:
- die Einführung eines nutzerzentrierten Vergütungsmodells
- Faire Spielregeln: Kennzeichnung von KI generierter Musik
- Die Nennung aller Mitwirkenden an einem Werk in den Credits
- Ausschüttungen ab dem ersten Stream
- Transparenz über Gewinn- und Verteilungsstrukturen
- die Prüfung einer Beteiligung der Plattformen an nachhaltiger Musikförderung
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, bleibt der politische Fahrplan vor allem eines:
ein Dokument der Verantwortungsverschiebung – nicht der Reformbereitschaft.
Die Langfassung unserer Stellungnahme finden Sie hier:
Kurzfassung: