Welche Musik ist die beste?

Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Vergleich von Daniel Mattelé

Ich erinnere mich daran, dass ich im Studium öfter mal per Mitfahrgelegenheit irgendwohin gefahren bin. Damals, sozusagen im goldenen Zeitalter dieser Fortbewegungsmethode, ging es weniger um den nächsten Termin und die damit verbundene pünktliche Ankunft, sondern um die Begegnung mit fremden Menschen. Da man nur eine relativ kurze Zeit hatte, um sich kennenzulernen, ging es in der Regel gleich ans Eingemachte: „Und, was machst Du so?“

Schon war ich enttarnt! Denn ich studierte das so ziemlich Uncoolste, was man sich vorstellen konnte: Klassische Musik! Und weil das noch nicht schlimm genug war, wurde es – je nach Interesse des Gegenüber – ab da nur noch peinlicher: „Aha. Muss man da nicht ein Instrument spielen?“ – „Äh, ja…“ – „Was spielst Du denn?“ – „Naja, also eigentlich … Harfe.“ Damit war früh auf der Reise klar, dass hier für mich nichts mehr zu holen war. Den Rest der Fahrt sprach man meistens über das, was die anderen so machten. Die Fahrten, auf denen nach „Was machst Du so?“ kein weiterer Informationsbedarf mehr bestand, habe ich als absolute Wohltat in Erinnerung behalten. Denn: Man konnte sich dann einfach mal entspannt über die Dinge unterhalten, über die man sich eben so unterhält: Sport, die Weltpolitik – und ja: Auch über Musik. Allerdings nicht Klassik, sondern „richtige“ Musik. Zeitsprung in die Gegenwart: Kürzlich bekamen wir das Feedback, das PRO MUSIK Magazin sei zu Klassik-lastig. Es solle doch in Zukunft bitte mehr Beiträge zu Pop-Themen geben. Nun stehe ich als Autor vor einem Problem: Genauso wie damals meine werten Mitfahrer*innen keine Ahnung hatten, was sie mich zum Thema Klassische Musik fragen sollten, bin ich heute ebenfalls aufgeschmissen, wenn ich etwas über Popmusik schreiben soll. Ich bin zwar studierter Musiker und könnte stundenlang über das Farbenklavier von Alexander Skrjabin, die korrekte Handhaltung beim Flageolett auf der Harfe oder darüber, warum man in der Probezeit im Orchester keine Turnschuhe tragen sollte sprechen, aber beim Aufzählen der Beatles-Songs versage ich ebenso jämmerlich wie bei der Frage, wie man sich als junge*r Popmusiker*in auf Instagram vermarkten muss. Wenn also in Zukunft mehr Pop-Beiträge hier erscheinen sollen, bin ich dafür der falsche Mann. Wie brauchen auf jeden Fall neue Autor*innen! Trotzdem: Einen unzureichenden Versuch, meine Ignoranz gegenüber allen nicht-Klassik-Genres in einen Artikel über Popmusik umzumünzen, werde ich wagen. Daher stelle ich mir nun einfach mal die Frage: Aus meiner persönlichen Erfahrung, was ist besser, Klassik oder Pop? Und da es hier ausschließlich um meine eigenen Vorurteile geht, werde ich mir auch nicht die Mühe machen, zu differenzieren oder andere Genres in diesen höchst unfairen Vergleich einzubeziehen. Also liebe Volksmusiker*innen, Ruhe in den hinteren Reihen, ihr habt in diesem Artikel wirklich gar nichts verloren! Beginnen wir den Vergleich mit dem wichtigsten Punkt: Natürlich ist klassische Musik besser als Popmusik. Wir haben eine fünfhundert Jahre alte Tradition, man muss nach einer der Kunst geopferten Kindheit jahrelang studieren, sich dabei von den Meister*innen unserer Zunft das Gehirn waschen lassen, bevor man schließlich als Star von namhafter Konzerthalle zu namhafter Konzerthalle durch die Weltgeschichte tourt und vor ausschließlich ausverkauftem Hause spielt. Das Publikum – im Übrigen alles Klassik-Liebhaber*innen jeden Alters und jeder Couleur – nimmt jede noch so feine Nuance der unterschiedlichen Interpretationen wahr und jubelt am Ende (aber nie, ich wiederhole: NIE! zwischen den Sätzen) seinen Idolen zu.

Um Popmusik zu machen, muss man hingegen gar nichts können. Eine Konzert(sic!)-Gitarre von Aldi für 39,99 € und eine einigermaßen tonhöhensichere Stimme reicht völlig aus, um eine erfolgreiche Karriere zu starten (bei wem es da noch hapert – Auto Tune macht’s möglich). Schnell mit dem Handy ein paar YouTube-Videos aufgenommen, und los geht’s mit dem großen Geld. Wem selbst dafür die Eigeninitiative fehlt, kann sich auch bei einer Castingshow entdecken lassen. Da regelt dann Dieter Bohlen alles weitere für einen. Und seien wir ehrlich: Da kann ja gar nichts Gescheites bei herauskommen. Aber eines ist schon komisch: Wenn mein Urteil doch so eindeutig ausfällt, warum geben dann nur 33% der Deutschen an, sie würden gerne Klassische Musik hören, während Rock und Pop auf 72% Zustimmung stößt? Meine klare Antwort: Weil sie die Klassische Musik nicht wertschätzen können! Wer keine Ahnung hat, den wollen wir auch gar nicht in unseren Konzerten sehen. Wer hat schon Lust auf ausverkaufte Stadien voller grölender Betrunkener, wenn man im halbleeren Kammermusiksaal eine schönes Konzert für Maultrommel und Streicher von Albrechtsberger oder ein exquisites Harfenduo von Stockhausen (kein Scheiß, das gibt es wirklich!) genießen kann? Und frag mich bloß nicht nach der Finanzierung! Wir lassen unsere Konzerte einfach so lange öffentlich fördern, bis wir vollkommen unabhängig sind von der Meinung des Publikums. Das wäre ja noch schöner, wenn wir unsere Werke nach dem Geschmack der Zeit auswählen würden. Künstlerischer Ausverkauf, sag ich! Wir spielen lieber nach dem Geschmack von vor hundert, ach was, zweihundert Jahren! Da wusste man die Klassik noch wertzuschätzen. Wobei: So ganz stimmt das natürlich nicht, denn zu dieser Zeit – und ja, früher war alles besser – war die Klassische Musik ja im Prinzip die Popmusik. Es gab schließlich nichts anderes. Warum kann es bloß nicht wieder so werden??? Nun ja, um ehrlich zu sein… So ist es immer noch. Das, was der Masse gefällt, nennt man eben Popmusik (Pop, populär, verstehst Du?). Die Popmusik funktioniert im Übrigen heute genauso wie vor x-hundert Jahren. Das meiste ist Mist und wird, nachdem es einmal die Charts gestürmt hat, in den Mülleimer der Geschichte wandern. So ist es immer schon gewesen. Fragen Sie mal Giacomo Meyerbeer: Der hätte sich wahrscheinlich auch nicht träumen lassen, dass seine Opern nach Ende der Spielzeit je wieder aufgeführt werden. Oder Bach: Der ist dem Mülleimer nur deshalb entkommen, weil Mendelssohn ihn wieder herausgefischt hat. Der einzige Unterschied ist heute eben der, dass die Popmusik halt nicht mehr „Klassik“ ist. Revidiert das mein Urteil über Popmusik? Auf gar keinen Fall! Ich liebe Klassik! Die emotionale Tiefe mancher Werke ist unglaublich und die Vielfältigkeit einer einzigen Sinfonie übersteigt nicht selten diejenige eines kompletten Pop-Albums. Klar, es ist ein bisschen unfair, schließlich haben wir uns auch nur die Perlen aus fünfhundert Jahren Musikgeschichte herausgepickt, die wir heute immer und immer wieder im Rundlauf aufführen. Wer mal ein Werk vom unbekannten Mozart-Zeitgenossen Nr. 523 gehört hat, könnte ebenso gut auf die Idee kommen, Klassik sei Murks. Ich finde es persönlich total schade, dass in manchen Kreisen Klassik so einen schlechten Ruf hat. Die Klassik-Szene trägt allerdings auch nicht gerade dazu bei, diese Gräben zu überbrücken. Ich kann es schon verstehen, das besonders junge Leute das Setting eines klassischen Konzerts wenig ansprechend finden. Sitz still, klatsch erst, wenn alle klatschen (aber NIEMALS zwischen den Sätzen!), und renn im Schlussapplaus schnell ins Parkhaus, um ja als erste*r wieder zu Hause zu sein! Aber was könnten sie erleben, wenn sie einfach darüber hinwegsehen oder wenigsten zu Hause eine Klassik-Playlist anhören würden. Es muss ja nicht gerade was von dem Relax-with-Classical-Music-Schrott sein. Wenn Ihr die Mondscheinsonate oder Clair de Lune hören wollt, sucht Euch doch bitte eine vernünftige Aufnahme, bei der alle Sätze gespielt werden (aber NICHT dazwischen klatschen!).

Ich muss gestehen: Manchmal habe auch ich einfach keinen Bock mehr auf Klassik und greife zu Ersatzdrogen. Ich bin nicht wählerisch: Je nach Stimmungslage dürfen es auch Frank Sinatra oder Die Ärzte sein. Wenn ich ehrlich bin, habe ich schon seit einigen Monaten keine Klassik mehr gehört… Es gibt sie nämlich sehr wohl: Die Fragen, auf die die Klassik keine Antwort liefert. Ich habe, um im Bild zu bleiben, den Eindruck, dass manche*r klassische*r Musiker*in sich diese Fragen nur einfach noch nie gestellt hat. Die Moral von der Geschichte: Vielleicht können wir ja alle was von den Anderen lernen!

Außer natürlich von der Volksmusik.

Fun fact zum Schluss: Beim Schreiben dieses Artikels habe ich mich beim Wort Popmusik mehrfach verschrieben. Wahlweise kam Popomusik oder Poopmusik dabei heraus. Wer hier eine Freud’sche Fehlleistung vermutet, hat wahrscheinlich recht. Wer nach der Lektüre dieses Artikels trotzdem noch Lust hat, sich in der Redaktion mit meinen blasierten Meinungen live auseinanderzusetzen und darüber hinaus auch noch Ahnung von Popmusik hat, kann sich gerne melden, um über diese Themen qualifiziertere Beiträge als diesen hier zu verfassen. Die Kontaktadresse lautet [email protected]. Morddrohungen von Albrechtsberger- und Stockhausen-Fans können ebenfalls an diese Adresse gerichtet werden. Wir werden sie unkommentiert und unzensiert als Leserbriefe veröffentlichen. Vielen Dank!

Daniel Mattelé

Daniel Mattelé

Daniel Mattelé studierte Musik mit Hauptfach Harfe an den Musikhochschulen in Weimar, Detmold und München, wo er ein künstlerisches Diplom erwarb. Bis vor der COVID-19-Pandemie war er als freier Orchestermusiker tätig. Zusammen mit seiner Partnerin Laura Oetzel gibt er regelmäßig Kammermusikkonzerte als Harfenduo und betreibt den Blog dasharfenduo.de, auf dem über Themen aus der klassischen Musikszene berichtet wird. Schwerpunkte dieser Berichterstattung sind Beiträge über die #metoo-Bewegung sowie über Arbeitsbedingungen für Musiker:innen.

Bei PRO MUSIK baut Daniel als Mitglied der Redaktionsleitung das PRO MUSIK Magazin auf. Er ist Mitglied bei der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) sowie im Verband der Harfenisten in Deutschland e. V.

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Daniel Mattelé

Redaktionsleitung
PRO MUSIK MAGAZIN

Daniel Mattelé studierte Musik mit Hauptfach Harfe an den Musikhochschulen in Weimar, Detmold und München, wo er ein künstlerisches Diplom erwarb. Bis vor der COVID-19-Pandemie war er als freier Orchestermusiker tätig. Zusammen mit seiner Partnerin Laura Oetzel gibt er regelmäßig Kammermusikkonzerte als Harfenduo und betreibt den Blog dasharfenduo.de, auf dem über Themen aus der klassischen Musikszene berichtet wird. Schwerpunkte dieser Berichterstattung sind Beiträge über die #metoo-Bewegung sowie über Arbeitsbedingungen für Musiker:innen.

Bei PRO MUSIK baut Daniel als Mitglied der Redaktionsleitung das PRO MUSIK Magazin auf. Er ist Mitglied bei der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) sowie im Verband der Harfenisten in Deutschland e. V.

Laura Oetzel

Redaktionsleitung
PRO MUSIK MAGAZIN

Laura Oetzel ist freie Musikerin und lebt in Köln. Sie studierte Harfe an den Musikhochschulen in Weimar und Rostock. Als Pädagogin wie als Künstlerin liegt ihr Schwerpunkt auf der Ensemblemusik. Sie leitet die Harfenklasse der Musikschule der Stadt Sankt Augustin. Als Künstlerin sie hauptsächlich unterwegs mit dem gemeinsamen Harfenduo mit ihrem Partner Daniel Mattelé. Neben ihren Konzerten betreiben die beiden den Blog dasharfenduo.de, auf dem über Themen aus der klassischen Musikszene berichtet wird. Schwerpunkte dieser Berichterstattung sind Beiträge über die #metoo-Bewegung sowie über Arbeitsbedingungen für Musiker:innen.

Laura engagiert sich für bessere Arbeitsbedingungen für freie Musiklehrende, sowohl an ihrer Musikschule als auch in der Landesfachgruppe Musik der Gewerkschaft ver.di. Für PRO MUSIK arbeitet sie in der AG Gleichstellung/Chancengleichheit und in der Redaktionsleitung des PRO MUSIK Magazins. Außerdem ist sie Mitglied im Deutschen Tonkünstlerverband und im Verband der Harfenisten in Deutschland e. V.

Melane Nkounkolo

Social Media Managerin

Seit Mitte November unterstützt Melane uns im Bereich Social Media. Als Social Media Managerin und Content Creatorin hat sie zuletzt für die Konferenz African Futures Cologne gearbeitet.

Neben Ihrer Tätigkeit für PRO MUSIK arbeitet die Aktivistin, Sängerin und Afrikawissenschaftlerin derzeit an ihrem ersten Studioalbum „Mirrors and Windows“. 

Auf ihrer Plattform @beautifulcolours_ diskutiert sie über Rassismus und Diskriminierung. Weitere zentrale Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Themen Entwicklungen von Gesellschaften, Musik und Kultur.

Kerstin Mayer

Projektleiterin Beratungsstelle

Lukas Berg

Projektleiter Beratungsstelle

»Als ich anfing professionell als freier Musikschaffender zu arbeiten, habe ich ziemlich schnell gemerkt dass es eigentlich unumgänglich ist, sich Zunftintern zu organisieren, um Themen wie Arbeitsbedingungen, Rechte und Interessen der freien Musikschaffenden überhaupt effektiv angehen und vertreten zu können. Spätestens seit März 2020 jedoch ist klar geworden, dass es überlebenswichtig ist.«


Lukas Berg ist Schlagzeuger, Komponist und Produzent aus Köln. Er arbeitet national und international mit Künstlern unterschiedlicher Genres als Schlagzeuger, Multiinstrumentalist und musikalischer Leiter. Darüber hinaus produziert und arrangiert er für Live-Shows und Studioproduktionen und ist seit vielen Jahren als Musiker, Komponist und Produzent in verschiedenen Theaterproduktionen tätig. Seit 2020 lehrt er zudem an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

Louisa Halter

Geschäftsstellenleiterin

Louisa Halter [LILOU] ist Künstlerin, Songwriterin, Musikerin & Kulturmanagerin aus Köln. Sie spielt seit 2010 bundesweit Konzerte, hat Komposition an der Folkwang Universität der Künste Essen studiert und steht kurz vor Abschluss ihres Masters in Kultur- & Medienmanagement, den sie an der HfMT Hamburg, sowie der Sibelius Academy in Helsinki absolviert.

Seit Juli 2023 verbindet sie ihre vielfältigen Erfahrungen aus der Musikbranche in der Leitung der Geschäftsstelle von PRO MUSIK.

Daneben engagiert sie sich als Vorstandsmitglied im Verein musicNRWwomen* für Geschlechtergleichberechtigung und Sichtbarkeit von Frauen und weiblich gelesenen Personen in der Musikbranche.

Stephanie Dathe

Vorstand

Stephanie Dathe arbeitet & lebt in Leipzig, wo sie eine umfassende vertiefte musikalische Ausbildung an der HMT Leipzig absolvierte. Künstlerisch & pädagogisch arbeitet sie mit Tasteninstrumenten jedweder Form. Unter der Marke arssynerga betreibt sie eine Schule für musisch-ästhetische Bildung & produziert regelmäßig Musiktheaterstücke. Kenntnisse in Musikmanagement, BWL & MVM erwarb sie berufsbegleitend. Als soloselbständige Künstlerin & Musikpädagogin ist sie seit 2002 freischaffend tätig, & kreiert mit großer Vorliebe Crossover & open air – Projekte an ungewöhnlichen Orten. Als Vorsitzende des Berufsverbandes in Sachsen setzt sie sich seit 2005 leidenschaftlich für faire Vergütungen & musische Bildung ein, ihre Themenschwerpunkte bei Pro Musik. Das erste Papier zu Honoraruntergrenzen kam aus Sachsen im Jahr 2009. Seitdem wurde viel erreicht. Die Themen sind inzwischen bundesweit präsent.

Jeffrey Amankwa

Vorstand

»Während meiner Tätigkeit als freischaffender Künstler habe ich mich, besonders zu Beginn, oft mit vielen Dingen alleingelassen gefühlt. Vor allem hatte ich das Gefühl, die Entscheidungen der Politik hätten mit meinem Leben und Beruf wenig zu tun und könnten von mir noch weniger beeinflusst werden.

Durch die Arbeit bei PRO MUSIK möchte ich dabei helfen, jungen wie alteingesessenen Musiker*innen das Gefühl zu ersparen allein mit ihren Problemen und Herausforderungen zu sein.«

Jeffrey Amankwa arbeitet als freischaffender Sänger mit verschiedenen Bands unterschiedlicher Genres im In- und Ausland. Darüber hinaus ist er als Studio-Sänger tätig sowie an Produktionen für TV und Radio beteiligt.

Saskia Worf

Vorstand

Saskia Worf ist Musikerin, Instrumentalpädagogin, Arrangeurin und Autorin. Sie ist als freischaffende Musikerin mit Schwerpunkt Neue Musik und Kammermusik aktiv. Als Pädagogin unterrichtet sie Flöte, Klavier und Musiktheorie und hat einen Lehrauftrag an der Musikakademie Berlin für Berufsfeldkunde und Bewerbungscoaching. Daneben gibt sie Seminare an Hochschulen zum Thema Selbstmanagement. Neben ihrer künstlerischen und pädagogischen Tätigkeit betreibt sie den Blog und Podcast „Managemusik“, sowie den Podcast „Die Musikerschmiede“. 2022 veröffentlichte sie das Buch „Was machen Sie eigentlich beruflich?“ mit einem ehrlichen Einblick in die Musikbranche. 

Axel Müller

Vorstand

»Musiker:Innen werden in Deutschland von Politik und Gesellschaft geduldet – nicht geschätzt. Musik wird zwar gerne konsumiert, aber die Reputation der vielen Musikschaffenden ist gering. Die Pandemie hat nun nochmals verdeutlicht, wie wenig Kenntnis die Politik über unsere Lebenswirklichkeit hat und wie schlecht es um unsere soziale Absicherung steht. Ich hoffe, dass wir das Momentum der Krise nutzen können, um eine solidarische Stimme zu finden. Deshalb engagiere ich mich gemeinsam mit Gleichgesinnten für die Musikszene – Pro Musik.«

Axel Müller ist Saxophonist und Multiinstrumentalist. Nach seinem Popularmusikstudium im Hauptfach Tenorsaxophon an der Musikhochschule in Mannheim spielte er viele Produktionen als Orchestermusiker an Musicalhäusern und lehrte als Instrumentalpädagoge an Musikschulen Saxophon und Klarinette.

Er leitete eine Künstleragentur und war in diesem Rahmen als Booker &  Tourmanager europaweit tätig. Im Rahmen von Theater-, Variete- & Kleinkunstproduktionen ist Axel als Musical Director und Komponist aktiv.

Er tourt und recordet u.a. mit Gregor Meyle und Niedeckens BAP.

Als Studio- & Livemusiker ist er Teil der Fernsehproduktion „Sing meinen Song“.

Ella Rohwer

Vorstand

»Die Probleme der Szene der freien Musikschaffenden sind durch die Pandemie deutlich sichtbar geworden. Es gibt aber schon lange eine Diskrepanz zwischen Lebensrealität und Wahrnehmung durch die Politik. Ich engagiere mich bei PRO MUSIK, um diese Wahrnehmung zu verändern und dadurch die Arbeitsbedingungen in der Szene nachhaltig zu verbessern.«

Ella Rohwer ist klassisch ausgebildete Cellistin mit hybrider künstlerischer Identität im Bereich Pop, Crossover wie auch Theater und zeitgenössische Musik. Sie ist neben ihrer Tätigkeit als Live- und Studiomusikerin auch als Dozentin an der HfMT Köln – Wuppertal tätig und arrangiert und leitet Streichensembles in diversen Kontexten.

Wolf Simon

Schatzmeister

»Ich engagiere mich bei PRO MUSIK, weil die Lebenswirklichkeit sehr vieler Musikschaffender wirtschaftlich unsicher ist und sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren tendentiell noch verschärft haben. Eine gemeinsame Stimme war einfach überfällig, und durch die Arbeit unseres Verbandes sind wir freien Musikschaffenden mittlerweile in der Politik, bei Veranstaltern und der Musikindustrie sehr sichtbar und präsent geworden. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren waren wir eine riesige Zahl an Einzelkämpfern und standen auf jeder Prioritätenliste ganz unten, was besonders in Zeiten der Corona-Pandemie viele existentielle Probleme und viel Leid verursachte. Und das, obwohl wir als freie Musikschaffende ein zentraler Teil der Veranstaltungsbranche sind, die wiederum einer der größten Wirtschaftsfaktoren Deutschlands ist. Mittel- und langfristig ist auch strukturell vieles verbesserungsbedürftig, etwa unsere soziale Absicherung – darum brauchen wir jetzt Solidarität und eine starke, gemeinsame Stimme.«

 

Wolf Simon ist Schlagzeuger und Fotograf, hat auf zahllosen Studioproduktionen und Hitsingles verschiedenster Genres mitgewirkt und ist seit vielen Jahren mit großen und kleinen Produktionen auf Tournee, seit 2021 mit Matthias Reim.

Von 2004–2015 unterrichtete er außerdem an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück. Seit 1997 arbeitet er auch als Musical Director.

Nina Graf

Vorstandsvorsitzende

»Musik ist Spiegel einer Gesellschaft und Klebstoff zwischen den Menschen. Dass Musikschaffende ihrer Arbeit würdevoll und fair bezahlt nachgehen können und wir eine vielfältige Kulturlandschaft genießen können, sollte daher viel mehr in unser aller Interesse sein als es oft den Anschein macht. Als DIY-Artist und Kulturpolitikerfahrene möchte ich vor allem für die U-Musik politische Vermittlungsarbeit leisten, um Arbeits- und Vergütungsbedingungen zu verbessern.«

Nina Graf, öffentlich vielleicht besser bekannt als Miu, brachte ihre Musik als DIY-Artist u.a. in die Charts und in den ARD Tatort

Darüber hinaus engagiert sie sich seit mehreren Jahren ehrenamtlich für die Interessen von Musikschaffenden. Ihr Know-How aus Musikpraxis und Marketing, u.a. erlernt an der HfMT Hamburg im Masterstudiengang „Kultur- und Medienmanagement“ hat sie zu einer gefragten Expertin für die Popmusikszene gemacht.

Christopher Annen

Vorstandsvorsitzender

»Mit Musik die Leidenschaft zum Beruf machen zu können ist wunderbar und sehr erfüllend. Gleichwohl muss diese Arbeit – wie alle anderen auch – gerecht vergütet werden. Mit meinem Engagement bei ProMusik hoffe ich einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, dass die Musiker*innen in Deutschland gut davon leben können und sich noch mehr für diesen Weg entscheiden. Einer meiner Schwerpunkte ist die faire Vergütung aus dem Bereich Musikstreaming. Die Erlöse von Spotify und Co stehen viel zu oft in großer Diskrepanz zu den Streamingzahlen. Das muss sich ändern, wenn wir in Zukunft eine lebendige Musiklandschaft in Deutschland haben wollen.«

Christopher Annen (*1990) ist Gitarrist und Gründungsmitglied der Kölner Band AnnenMayKantereit. Mit ihnen hat er bis heute vier Studioalben veröffentlicht und hunderte Konzerte gespielt.

Neben der künstlerischen Arbeit betreiben AnnenMayKantereit ihr eigenes Label und seit 2021 ihre eigene Managementstruktur. Seit 2021 ist er Mitglied bei ProMusik und seit 2023 Vorstandsmitglied.